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Tipp 3: Show don't tell

Vermutlich der meist gehandelte Schreibtipp überhaupt - und deshalb auch super wichtig.

 

Entscheiden Sie selbst. Was gefällt Ihnen besser?

 

Version 1

Ich saß in meiner kleinen Berliner Wohnung und schrieb an meinem PC. Es war das Jahr 1986. Meine Ausbildung zur Industriekauffrau machte mir keinen Spaß, ich hätte lieber etwas Soziales gemacht. Ich fühlte mich oft einsam und sehnte mich nach einer eigenen Familie. Ich wollte mit 25 verheiratet sein und zwei Kinder haben. Das war ein wieder-kehrender Wunsch, vielleicht, weil ich als Einzelkind aufgewachsen war und meine Eltern kaum Zeit für mich hatten. Meine Oma hatte mich zwar liebevoll betreut, aber ich hatte mir immer eine Schwester gewünscht. 

 

Version 2

Der Bildschirm flackerte, während weiße Buchstaben auf schwarzem Grund erschienen: "Mit 25 bin ich verheiratet. Zwei Kinder." Ich ließ die Finger auf der klobigen Tastatur ruhen, sah aus dem Fenster. Dichte Wolken zogen über den Himmel, grau wie die Möbel um mich herum. 

 

Mein kleiner Schreibtisch stand eng gedrängt neben dem weißen Bett. Der IBM-PC, ein Geschenk meiner Eltern, surrte leise. Sie hielten gute Noten für wichtiger als meine Träume. Liebe - die hatte ich von meiner Oma bekommen. Aber immer fehlte etwas. Eine Schwester vielleicht. Jemand, der versteht, warum mir dieser Satz so viel bedeutete. Ich tippte weiter ....

 

Show don't tell

... bedeutet eine Szene so zu zeigen, dass der Leser sie fühlen, sehen und erleben kann, anstatt sie nur einfach zu erzählen. 

 

 Vergleichen Sie einmal die beiden Versionen im Detail: 

 

Tell - erzählen Show - zeigen
Ich fühlte mich oft einsam und sehnte mich nach einer eigenen Familie.  Ich ließ die Finger auf der klobigen Tastatur ruhen, sah aus dem Fenster. Dichte Wolken zogen über den Himmel, grau wie die Möbel um mich herum.

Zeigt die Einsamkeit durch Umgebung und Körperhaltung. 

Ich wollte mit 25 verheiratet sein und zwei Kinder haben. 

Der Bildschirm flackerte, während weiße Buchstaben auf schwarzem Grund erschienen: 'Mit 25 bin ich verheiratet. Zwei Kinder.'

Der Leser sieht direkt, was Sie schreiben. Kein abstraktes Erzählen, sondern eine konkrete Szene. 

Meine Eltern hatten kaum Zeit für mich. 

Der IBM-PC, ein Geschenk meiner Eltern, surrte leise. sie hielten gute Noten für wichtiger als meine Träume.

 

Zeigt indirekt was den Eltern wichtig war. 

Ich wuchs bei meiner Oma auf und bekam dort Liebe. 

Liebe - die hatte ich von meiner Oma bekommen. Aber immer fehlte etwas.

 

Lässt Raum für Emotionen, ohne alles auszuprechen. 

 

Welche Möglichkeiten gibt es?

 

1. Nutzen Sie Sinneseindrücke: Was sehen Sie, hören Sie, fühlen sie?

Statt "Es war kalt" - "Der Wind biss mir in die Wangen."

 

2. Zeigen Sie Handlungen statt Gefühle zu benennen.

Satt: "Ich war wütend" - "Ich ballte die Fäuste und starrte ihn an."

 

3. Nutzen Sie Umgebung und Körperreaktionen, um Stimmung zu vermitteln.

Dunkle Farben, Wetter, Geräusche können z.B. Einsamkeit zeigen.

 

4. Bauen Sie Dialoge oder Gedanken ein.

Statt: "Ich wusste nicht, was ich tun sollte" - "Und jetzt? Was, wenn ich scheitere?"

 

5. Lassen Sie Fragen offen

Erklären Sie nicht alles - wenn Sie zeigen, dass jemand zögert oder den Blick abwendet, versteht der Leser von selbst, dass diese Person unsicher ist. 

 

Was mir am meisten hilft: Schauen Sie sich einmal Stummfilme an. Dort werden diese Tipps meisterhaft umgesetzt, denn es kann ja nicht "getellt" werden.

 

Schreibimpuls

Denken Sie an eine Situation, in dem Sie oder eine andere Person eine starke Emotion durchlebt hat. Schreiben Sie den Text so, dass die Emotion aus den Handlungen und Reaktionen der Person hervorgeht - ohne sie direkt zu benennen. 

 

Fazit

Show don't tell macht deine Texte lebendiger und intensiver. Statt Emotionen direkt zu benennen, zeigen wir Handlungen, Wahrnehmungen und Reaktionen - so wie im Film. Das lässt den Leser/die Leserin die Emotionen selbst erleben und schafft eine tiefere Verbindung. 

 

Ich möchte heute mit einem Zitat von J.K. Rowling enden, denn Harry Potter war DAS Buch der Kindheit meiner Tochter und meines Sohnes und sie ist die Meisterin: "Die Kunst zu erzählen besteht nicht darin zu sagen, was passiert, sondern dem Leser zu zeigen, was er sehen soll."

 

In diesem Sinne wünsche ich gutes Gelingen!

Herzliche Grüße

 

Ute Matthias