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Ein Kreis schließt sich - und ein neuer öffnet sich

Ein Schreibjahr, das mich begleitet hat

Wenn ich auf dieses Schreibjahr zurückblicke, lächle ich. Nicht nur wegen der Texte, die wir gemeinsam geschrieben haben, sondern auch wegen all der Geschichten, die mich selbst begleitet haben. Dieses Jahr war für mich ein Schreibjahr – ein richtiges.

 

Ich habe Frau Friday kennengelernt, meine pensionierte Lehrerin mit Ermittlerinnenherz, die sich inzwischen heimlich in meinen Alltag gemischt hat. Ich habe im Sommer mein Buch „Ich schreibe, sonst verschwinde ich“ geschrieben – manchmal atemlos, manchmal verzweifelt, aber immer mit dem Gefühl: Das ist jetzt dran. Und am letzten Wochenende saß ich in einem Märchenseminar, und plötzlich war sie da, dieses Mädchen mit dem Feuermal mit dem klingenden Namen Liora, das mir eine ganze Geschichte zugeraunt hat. Es war einer dieser Momente, in denen man wieder spürt, warum man überhaupt schreibt: Weil etwas aus uns herauswill. Weil Geschichten uns finden.

 

Ein Lieblingstipp: Das konkrete Detail

In unseren zehn Schreibtipps dieses Jahres gibt es einen, der mir besonders nah geblieben ist:
„Wie heißt der Hund?“ Roy Peter Clark erzählt von diesem Satz in seinem Buch "Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben" und sagt, dass dieser Satz von der St. Petersburg Times stammt, wo Ausbilder ihre Reporter immer wieder mahnen: Komm nicht ohne den Namen des Hundes zurück. Gemeint ist: Halte Augen und Ohren offen. Nimm die Welt wirklich wahr. Finde das eine präzise Detail, das Leser*innen sehen, fühlen und hören lässt, was du beschreibst.

 

Ein gutes Detail ist kein Schmuckstück. Es ist ein Türöffner ins Erleben. Es macht einen Text sinnlich, nahbar, wahr. Mein Hund heißt übrigens Odette. 

  

Welches war dein Lieblingstipp?

 

Roh schreiben, frei schreiben

Und gleichzeitig ist für mich klar: All diese Tipps sind keine strengen Regeln. Sie sollen nicht beim ersten Schreiben im Weg stehen. Der Rohtext darf laut sein, durcheinander, zu viel, zu wenig, zu nah, zu weit weg. Er darf erst einmal einfach kommen – wie er will.

 

Erst später schauen wir hin. Dann greifen wir zu, zu dem, was nützt: das genaue Detail, die lebendige Sprache, der klarere Rhythmus, der mutigere Satz. Und weil es Dezember ist, bekommt dieser Monat noch einen eigenen kleinen Tipp. Einen, der mich selbst immer wieder begleitet:

 

Dezember-Tipp: Show & Tell – beides hat seinen Platz

Wir sprechen so oft von „Show, don’t tell“ – und ja, das Zeigen macht Texte lebendig. Show ist das Licht, das durch ein Fenster fällt. Der Geruch von nassem Asphalt. Die Tasse Tee, die zittert, weil eine Hand nicht ganz ruhig ist. Show braucht Platz. Aber manchmal brauchen Texte auch ein „Tell“. Tell ist der Satz, der Klarheit schafft. Der Übergang. Die Erkenntnis. Die Zusammenfassung nach einer langen Szene. Tell ist kurz und informativ.

 

Show lässt uns fühlen. Tell lässt uns verstehen. Beides gehört zusammen – wie Einatmen und Ausatmen.

 

Und vielleicht ist es genau das, was dieser Dezember für mich spürbar macht.

 

Die besondere Farbe des Dezembers

Der Dezember ist für mich ein Atemzug zwischen dem, was wir erkundet haben, und dem, was vor uns liegt. Der November war nie mein Monat – er bringt mir bis heute eine Schwere, die ich kaum woanders im Jahr finde. Und doch folgt darauf dieses leise Aufhellen: der Dezember, ein Monat, der in meiner Kindheit oft ein kleines Versprechen trug. Ein Gefühl von Wärme, Licht, Vorfreude. Und vielleicht auch diese Gewissheit, dass mit der Wintersonnenwende etwas in Bewegung kommt – ein kaum sichtbarer, aber spürbarer Schritt zurück ins Helle.

 

Ein Kapitel schließt sich – behutsam

Mit diesem Dezember endet für mich auch unser gemeinsames Jahr unter dem Motto „Schöner schreiben“. Wir haben in diesen Monaten so viel Handwerk geübt, ausprobiert, verfeinert – genug, um deine Texte sicher durch jede Überarbeitung zu tragen. Und vielleicht spüre ich auch deshalb so deutlich: Für dieses Jahr ist „Schöner schreiben“ rund geworden. Nicht, weil alles gesagt wäre, sondern weil ein neues Thema in mir anklopft und Raum möchte. Es ist ein vollständiges Kapitel, und für dieses Jahr ist es gut so.

 

Ein neues Jahr, eine neue Reise

Denn 2026 wartet schon. Es wird ein Jahr, in dem wir Schritt für Schritt eine kleine eigene Biografie schreiben. Zwölf Monate, zwölf Teile, ein wachsendes Buch. Wir beginnen im Januar mit einem Familienstammbaum – nicht mit Daten, sondern mit Geschichten:

Wer hat dich geprägt?

Wer begleitet dich, auch wenn du längst erwachsen bist?

Welche Stimmen aus deiner Herkunft sprechen heute noch in dir?

 

Ich freue mich darauf, das mit dir zu entdecken. Auf deine Erinnerungen, deine Sätze, deine Bilder. Darauf, wie sich langsam ein Text zu einem Leben formt.

 

Time to say: Thank you

Danke an alle, die mit mir geschrieben haben und mich haben teilhaben lassen an ihren Erinnerungen.

Danke an alle, die meine Texte gelesen haben – im Blog, im Newsletter oder auf der Website.

Danke für die kleinen Momente der Verbundenheit, die ich spüren durfte.

Wir sind alle auf dem Weg.

 

Wiedersehen

Wir sehen uns am 30. Dezember um das alte Jahr zu würdigen und das neue in den Blick zu fassen.

Oder wir sehen uns im Januar zum kreativen Schreiben mit der Schneeflockenmethode.

Oder wo auch immer.

 

Ich freue mich schon darauf.

 

Seid sehr herzlich gegrüßt! Ich wünsche euch allen ein frohes und glückliches Weihnachtsfest!

Eure Ute Matthias