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Off Topic: Nachruf für die kleine Luna

Manchmal ist das Leben eine Pottsau, sagt mein Sohn Charlie und so ist es auch. Am letzten Dienstag, 04.02.2019, ist unser kleiner Hund Luna, der noch nicht einmal ein Jahr alt war, bei einem Unfall ums Leben gekommen.  Die kleine Maus war mit ihrem Herrchen unterwegs im Wald, als eine Dogge mit ihrem Herrchen des Weges kam. Luna kannte die Dogge, die ganz lieb ist und dennoch lief sie in Panik davon, den Abhang hinunter, wollte schnell nach Hause ... und wurde von einem Auto erfasst, als die die Straße überqueren wollte. Tot. Sofort tot.

 

Hundewunsch von klein auf

Ich habe mir einen Hund gewünscht seitdem ich 2 Jahre alt bin. Mein Vater hat immer ein bisschen mit mir gescherzt, als wolle er selbst einen Berhardiner. Aber es wurde nichts daraus, obwohl ich als Kind die Hoffnung nie aufgegeben habe. Ich glaube, es war damals auch nicht ernst gemeint. Der Wunsch blieb.

 

Katzen als Ersatz

Ich zog nach Berlin, holte eine Katze aus dem Tierheim. Ich dachte, dass ich mit einer Vollzeitausbildung und alleinlebend einem Hund nicht das bieten kann, was er braucht. Später holte ich eine zweite, die auch niemanden hatte und dachte, dann ist die erste nicht so alleine. Aber die Katzen waren eigen, sie ließen sich selten streicheln und kamen eigentlich  nur zum Fressen zu mir. Eine Beziehung kam auf diese Weise nicht zustande.

 

... und Wellensittiche

Später hatten meine Kinder Wellensittiche, ein Hund kam für meinen Exmann nicht in frage. Er sagte, er sei allergisch gegen Hunde. Also wieder kein Hund.

 

Vielleicht einen Mr. P?

Dann zogen wir aus, die Kinder und ich, und überlegten, bo wir nun einen Hund anschaffen sollten, einen kleinen Mr. P wollten wir haben. Die Kinder hatten nichts gegen den Hund, sagten aber, sie selbst wollten keinen und wollten mir auch nicht helfen. Da ich wieder Vollzeit arbeiten musste, ging es also wieder nicht mit einem Hund.

 

Doch mein Herz rief: Hund! Hund! Hund!

 

Endlich ein Haus mit Garten

Ich war vernünftig. Als ich wieder ein Haus mit Garten hatte, dort mit einem Freund wohnte, machte ich mich langsam auf die Suche. Ein Hund sollte nun endlich zu mir kommen. Ein kleiner Hund, ein Bolonka Zwetna. Mit Haaren statt Fell, damit auch weiterhin Freunde zu Besuch kommen können, die allergisch gegen Tierhaare sind.

 

Den richtigen Züchter finden: Mama Marmann

Wir schauten uns um in der Gegend, fuhren nach Holland, wo es viele kleine Bolonka Zwetna Welpen gibt und auch bedeutend billiger als in Deutschland. Doch es gefiel uns nicht, dass die Bolonkas so wenig an Menschen gewöhnt waren. Endlich fanden wir in Hamm eine Züchterin wie sie im Buche steht: Frau Marmann, Vorsitzende des Hundezüchtervereins. Ihre Welpen wohnten mit den Mamas im Wohnzimmer von Marlies Marmann und ihrem Lebenspartner Dieter, wurden rund um die Uhr betreut, hatten mit Menschen nur gute Erfahrungen und schon wenn man ins Haus kam, wurde man von einer fröhlichen Bolonkaherde begrüßt. So nette Menschen. So süße Hunde. Damit war die Entscheidung gefallen, wir wollten einen Bolonka aus Hamm. Keinen anderen.

 

Welchen nehmen wir denn?

Ich hatte vorher mit meinem Freund ein Buch gelesen, worauf man denn so achten solle, wenn man sich einen Hund aussucht. Dass er sich auf der Hand umwerfen lässt und auf dem Rücken liegen bleibt, genießerisch, nicht gleich wieder zurück in die Ausgangsposition geht, so einer sollte es sein, denn diese sind leicht erziehbar, so hieß es. Auch sollte sich das Hundebaby ins Mäulchen schauen lassen, ohne gleich wieder zu schließen, auch das sollte ein Indikator für leichte Erziehbarkeit sein, was besonders für Anfänger ganz wichtig sei.

 

Eine kleine Lady!

Ich fand sie alle schön! So niedlich. Dann setzte mir Frau Marmann eine kleine Lady auf die Hand, die ausgesprochen hübsch und filigran war, Little Girl, die wir später Luna genannt haben. Sie war zobelfarben und hatte sehr wache Augen. Wenn man sie auf den Rücken drehte, drehte sie sich sofort wieder zurück, das Mäulchen hielt sie stets verschlossen, selbst wenn Frau Marmann, also quasi Mama2, ihr versuchte den Finger dazwischen zu schieben. Uns war klar: Luna hatte einen sehr eigenen Willen und würde versuchen, diesen auch durchzusetzen. Aber dennoch entschieden wir uns für sie, ich hatte das Gefühl, dass sie für uns ist und Andreas fand sie absolut entzückend mit ihrem zarten Gesichtchen.

 

Warten auf Lunchen

Es dauerte lange bis Lunchen zu uns nach Hause kam. Wir besuchten sie nach Möglichkeit alle zwei Wochen, es ist weit nach Hamm, wir fahren 1,5 Stunden. Wir fieberten dem Moment entgegen, als wir sie an Pfingsten zu uns holen durften und erste Erfahrungen mit dem Thema Hund sammeln.

 

Lunchen kommt zu uns nach Hause

Lunchen bellte und quietschte die gesamte Fahrt von Hamm bis Essen-Kettwig eigentlich unentwegt. Sie fiel zwischendurch mal 10 Minuten erschöpft zur Seite, um sich auszuruhen und dann ging die Sirene wieder los. Als wir zuhause ankamen, ging ich sofort mit ihr spazieren, doch sie machte nichts, kein Häufchen, kein Lulu. Doch als ich sie mit der Box im Wohnzimmer abstellte, kackerte sie in die Box und als ich sie herausließ, um diese sauber zu machen, rannte sie in die Küche und verewigte sich dort mit einem Seechen. Auch das wischte ich weg, inzwischen etwas atemlos. Den Rest des Tages lagen wir beide erschöpft auf dem Balkon, sie neben mir auf ihrer rosa Pinguindecke, die Frau Marmann ihr geschenkt hatte und die noch Stallgeruch hatte. Ich auf der Balkoncouch, die nur halb so groß ist wie ich und wo die Beine immer über den Rand baumeln. Wir schliefen. Und alle zwei Stunden gingen wir Gassi ... bis endlich das Herrchen kam.

 

Lunchen geht in die Hundeschule

Lunchen wuchs und wir versuchten alles richtig zu machen. Machten Bekanntschaft mit Zecken, dem Tiefarzt, dem netten Dirk Fröhlich und seiner Frau Kiki mit der ganzen Crew, die Hundetrainer hier in Kettwig. Er nannte sie liebevoll "die kleine Flaschenbürste". Luna blieb sich treu: Ein unfassbar süßer und lieber Hund, aber mit einem ganz eigenen Willen.

 

Ich wars nicht!

Ich werde nie vergessen, wie sie einmal in ihr grünes Körbchen gepinkelt hat während Andreas und ich auf der Terrasse zu Mittag aßen, es war wohl am Wochenende. Während wir das Körbchen säuberten, muss sie wohl auf die Terrasse gelaufen sein und unser restlichen Mittagessen verputzt haben. Jedenfalls kam sie uns gerade von dort entgegen mit absoluter Unschuldsmiene, aber das Gesichtchen voller Butterreste von den Spargeln.

 

Käse! Käse! Käse!

Lunchen, Herrchen und Frauchen gewöhnten sich aneinander und es verging kein Tag, an dem wir ihr nicht sagten, dass sie der beste Hund überhaupt ist. Sie liebte Käse über alles und schon bei der Erwähnung des Wortes, setzte sie sich artig hin, stand aber immer wieder auf, weil sie vor Vorfreude ganz unruhig war.

 

Wir versuchten sie zu erziehen, aber vermutlich waren wir nicht konsequent genug. Ich gebe es zu, wir sind oft auch die Wege gegangen, die sie gehen wollte, nicht die, die wir vorgesehen hatten.

 

So viel Freude!

Sie brachte uns frische Luft an jedem Tag, mehrmals, das tat uns so gut. Selbst in diesen schrecklich nassen Wintertagen. Es ist nicht einfach Samstags- und Sonntagsmorgens so früh aufzustehen, aber ich habe den Morgenspaziergang immer genossen. Man bekommt ganz neue Eindrücke von der hügeligen Landschaft hier auf der Laupendahler Höhe zu den verschiedenen Jahres- und Tageszeiten.

 

Lunchen blieb ein eigenwilliges Geschöpf. Vermutlich hätten wir konsequenter trainieren müssen, so dass sie auch in schwierigen Situationen noch auf uns gehört hätte. Haben wir aber nicht, nachher ist man immer schlauer.

 

Wie kann die Sonn so hell aufgehn, als wär heut Nacht kein Unglück geschehn... (Gustav Mahler)

Am Tag als Andreas Anruf kam, dass Lunchen unter ein Auto gelaufen ist, tobte und schrie und weinte ich. Nicht mein Hund. Gott, bitte mach, dass es nicht mein Hund ist. Mein Hund. Mein geliebtes Lunchen. Doch sie war es. Da half all mein Klagen und mein Hadern nicht. Lunchen blieb tot. Ich stellte die berühmte Warum-Frage: Warum lässt Gott das zu? Auf die es keine Antwort gibt.

 

Ich habe auch jetzt keine Antwort, warum mein süßer und lieber Hund sterben musste. Jeden einzelnen Tag denke ich darüber nach, was ich hätte anders machen können und kann es doch nicht mehr ändern. Manchmal ist das Leben halt eine Pottsau.

 

Es gibt vieles, was Lunchen mich gelehrt hat, aber eines ganz besonders:

 

Man kann ohne Hund leben. Aber es lohnt sich nicht.

 

In memoriam liebes Lunchen. R.I.P

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