Schreib mit mir!


November/Dezember: Was wäre Weihnachten ohne Plätzchen?

Welcher Gegenstand gehört für Sie untrennbar zum Weihnachten Ihrer Kindheit?

  • Ist es der Weihnachtsbaum?
  • Das Christkind?
  • Die Blockflöte?
  • Die Christbaumkugel mit dem zarten Eismuster?
  • Die Backförmchen?
  • Das rote Samtkleid?
  • Ein Spiel?

 

 

Für mich sind es die Ausstecherle meiner Oma Lustnau: Der erhabene Tannenbaum, der ausgewogene Stern, der pfiffige Mond und natürlich zuallererst: Der große Weihnachtsengel.

 

Schreiben Sie eine Geschichte aus der Sicht eines Gegenstandes, der für Sie symbolisch mit der Advents- und Weihnachtszeit Ihrer Kindheit verbunden ist. 

 

Was gibt es Schöneres als am Weihnachtsabend eine eigene Geschichte vorzulesen?


Meine Geschichte

 

Ach, bald ist es wieder Zeit ... ich rieche es schon, es riecht nach Tannenzweigen, Zimt und Nelken, auch Mandarinen müssen dabei sein. Ich schaue mich um in meiner Plastiktüte nach meinen Blechkameraden, wohl wissend, dass ich die größte und schönste Figur bin. 

 

Ich spüre es bis an den Rand meiner Form, dass sich nun gleich die Tür des Küchenschranks öffnen wird und die Hand meiner lieben Besitzerin nach uns greift. 

 

Und da passiert es. Mit einem quietschenden Laut geht die Tür auf, Licht fällt auf uns hier oben ganz hinten in der Ecke und Oma Maria, die zu klein ist, um uns zu sehen, greift in das oberste Fach und wühlt nach uns. 

 

"Heilix Blechle, wo send se denn?" ruft sie, aber dann hat uns ihre Hand auch schon gepackt und ans Licht gezerrt. Mit einem Schwung landen wir alle auf dem Küchentisch, auf dem eine Wachstischdecke liegt und alle meine liebsten Zutaten: Zucker, Mehl, Eier und Milch, Zimt, Vanille ... vor lauter Vorfreude fange ich ein wenig zu zittern an und meinen Kameraden, dem Tannenbaum, dem Mond und dem Stern geht es ebenso.

 

Hinter dem Tisch sitzt das kleine Mädchen mit den roten Haaren und den Patschhändchen, das sich mindestens ebenso freut uns zu sehen wie wir es tun. Sie öffnet unseren Beutel und lässt uns alle auf den Tisch poltern ... als sie mich sieht, zieht sie mich sofort heraus und drückt mich an ihr kleines Herz, ich bin ihre Lieblingsform. 

 

Oma Maria nimmt ihre Backschüssel, lässt die Zutaten geübt hineingleiten und schlägt feste mit dem Schneebesen. Später als der Teig hart wird, nimmt sie ihn aus der Schüssel, legt ihn auf eine bemehlte Oberfläche und knetet fest und routiniert drauflos. Nach kurzer Zeit ist der Teig eine schöne einheitliche Masse, die sie dem kleinen Mädchen zum Auswellen gibt. 

 

Nun kann ich es vor Vorfreude kaum mehr aushalten, fast platze ich auseinander vor Spannung, als Oma Maria zu dem kleinen Mädchen sagt, sie solle erstmal den Mond und den Stern nehmen. Ich schmolle ein klein wenig und ziehe mich etwas in Richtung Tüte zurück.

 

Aber dann kommt doch das kleine Patschehändchen, hält mich fest und hebt mich hoch, drückt mich dann beherzt in den weichen, süßen Teig, ich breite meine Flügel aus, presse meinen runden Kopf und meine Lockenpracht in den Teig und fühle mich wie im 7. Himmel! Wo ich ja auch hingehöre. Heißa, es ist Weihnachten!

 


 

 

 

Auch Hans Christian Andersen hat eine Geschichte aus der Sicht eines Gegenstandes geschrieben: Lesen Sie doch mal das Märchen "Der Tannenbaum"!

 

 

 

 

 

 

 

(Ja, das bin tatsächlich ich mit meinem Vater!)


September/Oktober: Übergänge

Langsam hat sich der Sommer davon geschlichen. Noch ist Hoffnung auf ein paar warme Sonnenstrahlen, doch die Tage werden merklich kürzer. Zum satten Grün des Sommers gesellt sich ein Gelb, ein Orange, ein Rot.

 

Es ist eine Zeit des Übergangs. Die Natur verändert sich, blüht noch einmal auf, schenkt uns ihre Früchte, bevor sie sich langsam, ganz langsam von ihren Blättern befreit und zur Ruhe kommt. Kräfte sammelt, um im nächsten Jahr wieder ganz neu zu erblühen. 

 

Übergang, das ist die Zeit zwischen dem Abschied von dem einen und dem Neubeginn von etwas anderem.

 

Welche Übergänge können Sie in Ihrem Leben erkennen?

  • Vielleicht erinnern Sie sich an den Übergang von der Kindheit zur Jugend: Wann ist Ihnen klar geworden, dass Sie nun kein Kind mehr sind?
  • Vielleicht ist es der Übergang von einer Stadt zur anderen? Wann sind Sie umgezogen? Wie war es vorher? Wie danach? Was hat Sie in dieser Phase ermutigt? Oder waren Sie voller Vorfreude?
  • Stehen Sie gerade an einem Übergang? Wovon müssen Sie sich verabschieden? Worauf dürfen Sie sich freuen? Was brauchen Sie, damit Sie den Übergang gut schaffen? Welche Unterstützung wünschen Sie sich vielleicht?

Lassen Sie sich nun von folgendem Herbstgedicht inspirieren: 

 

Septembergelb

 

Die ersten gelben Blätter

leuchten durch die Bäume.

Maiskolben strotzen kräftig

in die Haine.

 

Was sich dem Gelb verspricht

glüht Abschied aus.

Doch wo vorüber ist, 

beginnt auch Neues. 

 

(Monika Minder)

 

Machen Sie eine Liste aller Übergänge, an die Sie sich erinnern.

 

Greifen Sie dann einen Übergang heraus, der Sie im Moment besonders interessiert und schreiben Sie darüber. Beginnen Sie kurz vor der Übergangsphase und enden Sie erst dann, wenn Sie sich in der neuen Lebensphase etabliert haben. Wenn Sie Lust haben, arbeiten Sie heraus, was genau Ihnen geholfen hat diese Übergangsphase zu meistern und welche Stärken Sie bei sich gefunden haben. 

 

Wie immer: Einfach drauflos schreiben. Nicht auf den inneren Kritiker hören. Den ersten Entwurf schreiben wir immer einfach wie er aus der Feder fließt. Für Überarbeitung ist später Zeit.

 

Viel Freunde!

Ute Matthias

 


August-Thema: In der freien Natur schlafen

  • Waren Sie schon einmal Campen?
  • Mit einem Zelt, einem Wohnwagen, einem Wohnmobil?
  • Haben Sie schon einmal draußen in der Natur geschlafen? Unter dem Himmelszelt? Mit den Augen an den Sternen hängend?
  • Mit einer Person, die dabei war, philosophiert? Über das Leben und das Sterben? Über das, was sich hinter dem Himmel Ihrer Meinung nach verbirgt?
  • Was macht das mit Ihnen, wenn Sie draußen in der Natur übernachten im Gegensatz zum heimischen Bett?

Lassen Sie sich von einer der Fragen zu einer Geschichte inspirieren. Lesen Sie sie danach noch einmal durch und überlegen Sie, ob das Campen oder Schlafen in der Freien Natur etwas ist, das einen regelmäßigen Platz bekommen soll in Ihrem zukünftigen Leben. Oder warum vielleicht auch nicht. 

 


Juni-Thema: Gerüche der Kindheit

Anleitung für die Juni-Schreibaufgabe

  1. Schließen Sie einmal die Augen und richten Sie Ihren Blick nach innen. 
  2. Dann gehen Sie entlang der Zeitlinie zurück. Zum Beginn Ihres Erwachsenseins, dann weiter zurück in Ihre Jugend, und noch weiter entlang der Zeitlinie, bis Sie in Ihrer Kindheit angekommen sind. 
  3. Sehen Sie sich dort um. Was sehen Sie? Was hören Sie? Und dann: Was riechen Sie? 
  4. Welcher Duft kommt Ihnen als erstes in die Nase?
  5. Schnuppern Sie, verweilen Sie dort. Nehmen Sie den Duft genau wahr. Ist er eher süßlich? Ist er würzig? Oder bitter? Oder vielleicht ganz anders - wie? Nehmen Sie alle Nuancen auf, schnuppern Sie genau hin und wenn Sie genug Duft in der Nase haben, dann lassen Sie sich davon zu einer Geschichte inspirieren. 

Es riecht nach ... Kuh und Heu und frisch gemähtem Gras

 

Wenn ich meine Augen schließe und zurückdenke an meine Kindheit, dann ist es der würzige Geruch von Heu und Stall, der mir als erstes in die Nase kommt. 

 

Urlaub auf dem Bauernhof, Camping in Kärnten, sobald ich Kuhdung rieche oder frisches Heu ist sie wieder da die Erinnerung. 

 

Sommer, in denen ich barfuß über Wiesen laufe, in denen wir Suppe auf einem Gaskocher kochen, in denen wir mit kleinen Eimern durch den Wald gehen und Blaubeeren sammeln. Oder Himbeeren. Später als ich älter werde, liege ich mit anderen Jugendlichen auf Handtüchern am See, wir albern herum, rennen ins Wasser, ich lerne Surfen (ich bin wirklich kein Talent) und liege stundenlang auf der Schwimminsel im Wasser bis ich Sonnenbrand und einmal auch einen Sonnenstich bekomme. 

 

Morgens bin ich früh wach und Papa und ich gehen zum Brötchen holen in das "Lädle" im oberen Teil des Campingplatzes. Wir kaufen nicht nur Brötchen, sondern auch eine Hartwurst, die Papa liebt und auf dem Rückweg bekomme ich immer ein Vanilleeis vom Kiosk. Schon vor dem Frühstück. Es ist ganz gelb und wunderbar vanillig und Papa kauft mir eine, sich zwei Kugeln. Dienstgradmäßig, sagt er.

 

Als ich 13 werde und wir noch immer nach Kärnten fahren, möchte ich abends mit den anderen Jugendlichen noch ein bisschen feiern gehen. Es gibt keine Disco oder so, wir machen einfach ein Lagerfeuer in der Nähe des Waldes, sitzen drum herum und unterhalten uns. André aus Berlin und ich sind sehr verliebt. Wir sitzen nebeneinander, André trinkt "Stierblut", ein billiger Rotwein, der damals sehr beliebt unter den Jugendlichen war. Später als es kalt wird, setzen wir uns auf eine Bank und knutschen ein bisschen. Die anderen gehen langsam nach Hause, doch André und ich bleiben noch eine Weile. 

 

Plötzlich nehmen wir aus der Dunkelheit Stimmen wahr, ich erschrecke mich zu Tode. Vor uns stehen mein Vater und meine Mutter. Sie verstehen nicht, wie es ist, jung zu sein und zum verliebt sein bin ich ihnen einfach noch zu klein. 

 

"Ha sag mal, Ute, i denk du bisch bei ma Feschtle? Ond jetzt sitsch du hier alloi mit ama Kerle ond dusch Schnullepeterles?" gab mein Vater sehr erzürnt von sich. (Übersetzt: " Sag mal Ute, ich dachte du bist bei einem Fest und jetzt sitzt du hier und küsst fremde Jungs?")

 

Es war eine unendlich peinliche Situation, an deren Ende ich sehr beschämt hinter meinen Eltern her nach Hause dackeln musste und mein Vater ein abendliches Ausgehverbot nach 22 Uhr verhängte. Ich wusste natürlich, dass meine Eltern abends selbst gerne noch im Restaurant ein "Viertele" zu sich nahmen, aber als ich ganz leise die Campingwagentür öffnete, um herauszuspäen, mit der Absicht, mich wieder zu den anderen Jugendlichen zu gesellen, da saß mein Vater mit einem Glas Wein im Vorzelt und fragte: "Ond wo willsch du jetz na?" - worauf ich sehr schnell wieder die Tür schloss und zurück in mein Bett ging. 

 

Ich hatte strenge Eltern. Oder zumindest einen sehr strengen Vater. 

 

André und ich schrieben uns eine Weile Briefe von Berlin nach Tübingen und zurück. Er ist Konditor geworden und war sehr stolz darauf. Aber nach einer Weile versandeten unsere Briefe. Wir waren erst 13. Wir haben uns auch nicht wiedergesehen, als ich später nach Berlin gezogen bin. 

 

Aber immer wenn ich den Duft von Heu und Kühen rieche, dann überkommt mich die Leichtigkeit dieses Sommers in den Bergen an einem blauen See. Die Wärme, die Sonne und die Verbundenheit unter uns Jugendlichen - wenn auch nur jeweils für einen Sommer. Aber wie lang ist ein Sommer, wenn man jung ist ...

 


Coachinganregungen

  • Nehmen Sie einen solchen Duft auch heutzutage manchmal wahr?
  • Welche Gefühle löst er in Ihnen aus?
  • Wenn er positive Gefühle auslöst: Wie können Sie sich heute Situationen schaffen, wo Sie diesen - glücklich machenden - Duft öfters riechen?
  • Wenn er negative Gefühle auslöst: Womit genau hängen die negativen Gefühle zusammen? 
  • Bei negativen Gefühlen, die sich nicht so leicht abschütteln lassen: Erden Sie sich, indem Sie in Ihre Füße hineinspüren, wie diese im Boden verankert sind und Sie tragen. Sehen Sie sich im Raum um und betrachten Sie alle Gegenstände ausgiebig, sodass Sie sie beschreiben können. Sie sind jetzt hier im Jahr 2022, die negative Situation ist vorbei.
  • Gibt es eine Stärke, die Sie vielleicht in dieser Situation oder aus dieser Situation heraus entwickelt haben?

Gut zu wissen

Der Geruchssinn ist einer unserer ältesten Sinne und es spricht viel dafür, dass er direkter mit unserem Gehirn verknüpft ist als andere Sinne. Über diesen Sinn lassen sich also sehr gut Erinnerungen erschließen. (Nachlesen)


Mai-Thema: Reisen

Anleitung

  1. Machen Sie eine Liste aller Reisen, die Sie schon einmal gemacht haben (es ist nicht notwendig, dass sie vollständig ist, Sie können jederzeit noch nachlegen).
  2. Wählen Sie dann spontan eine Reise aus, die Sie jetzt gerade besonders anspricht. Geben Sie ihr, wenn möglich eine Jahreszahl. Dies ist hilfreich, wenn Sie vielleicht später Ihre Erinnerungen ordnen und zusammenbinden wollen. 
  3. Schreiben Sie einfach so, wie es aus Ihnen herausfließt. Unterbrechen Sie den kreativen Strom nicht. Denken Sie nicht daran, wer vielleicht später den Text lesen wird und was diesen vielleicht interessieren oder stören könnte, schreiben Sie zunächst nur für sich. 
  4. Wenn Sie fertig sind, lesen Sie Ihren Text noch einmal durch und unterstreichen Sie die Ihrer Meinung nach drei wichtigsten Wörter. Schreiben Sie sie unter den Text.
  5. Machen Sie ein Avenida daraus. Wenn Sie klicken, erhalten Sie eine Anleitung. Ein Avenida ist eine Verdichtung. 
  6. Legen Sie den Text beiseite und lesen Sie ihn vielleicht am nächsten oder übernächsten Tag wieder und überlegen Sie, ob man ihn komprimieren könnte, ohne dass er an Inhalt verliert. 
  7. Lesen Sie ihn vielleicht einer Person Ihres Vertrauens vor und fragen Sie diese, welche Passagen sie besonders angesprochen haben. Fragen Sie nicht nach Kritik und machen Sie das gegebenenfalls deutlich. Ich bin eine Freundin davon, das Positive zu verstärken. Kritik, gerade am Anfang, macht unsicher. 
  8. Heften Sie Ihre Geschichte in einen schönen Ordner, den Sie extra für Ihre Biografische Arbeit ausgesucht haben und stellen Sie ihn an eine Stelle, wo ihn sonst erstmal keiner findet.  

 

 

Coachingfragen (wenn Sie mögen):

  • Was waren die Elemente, die Sie auf dieser Reise glücklich gemacht haben?
  • Was waren die Zutaten, die die Reise erschwert haben?
  • Welche Personen waren auf der Reise dabei? In der Realität oder in Ihren Gedanken? Welche Auswirkungen hatte das auf Sie?
  • Was hätten Sie gebraucht, um die Reise noch mehr genießen zu können?
  • Was wollen Sie auf zukünftigen Reisen auf jeden Fall vermeiden?
  • Wollen Sie diese Reise wiederholen? Wann?


2013 Namibia - Reise der Gegensätze

Ich blinzle die Tränen weg und sehe in den Sonnenaufgang. In Winterjacke und Strumpfhose unter der Nickihose sitze ich auf meinem Camping-klappstuhl in Kalahari Anib, unserer Farm in der Nähe von Mariental und blicke in die Weite. Das Land ist trocken, das Gras beige von der Sonne, die Bäume knorrig und mehr braun als grün. Der Sand ist ziegelrot und alles strahlt eine unheimliche Ruhe aus. So schön, hier zu sein und einfach nur zu sitzen. Es ist Winter in Namibia und wir sind von Windhoek aus auf dem Weg in den Süden. 

 

Laura, Charlie und Jan schlafen noch in ihren Zelten hoch auf dem Dach des Toyota-Vans, während ich früh aufgestanden bin, um ein wenig Zeit für mich zu haben. Um zu schreiben, meinen Gedanken nachzuhängen und zu genießen. Wenn da nicht der große Kummer wäre, dann wäre hier alles perfekt. 

 

Doch es nagt an mir. Der letzte Urlaub, den wir als Familie verbringen werden. 

 

Die Sonne geht hier schnell auf und schnell unter. Um 8 Uhr steht sie am Himmel zack, um 18 Uhr ist sie wieder weg, zack. Es ist, als ob sie vom Himmel fällt. Und dann wird es wirklich "kuhnacht". Die Tiere kommen. Natürlich haben sie Angst vor den Menschen und dennoch möchte ich nachts keinem Leoparden begegnen. Und die gibt es hier. 

 

An diesem Morgen, an dem es nach frischem Sand duftet und der Wind uns um die Ohren weht, essen wir einfaches Brot, Trockenfleisch, Corned Beef und eine Tütensuppe von Weight Watchers. Wir waren am Vortag 300 km unterwegs und als wir um 18 Uhr den einzigen Lebensmittelladen auf der Strecke erreichten, war er zu, schon seit einer Stunde. Hier muss man planen, wenn man einkaufen gehen will. Da fährt man nicht einfach mal zum Lebensmittelladen um die Ecke. 

 

Nachts, wenn wir zur Toilette müssen, klettern wir aus dem Zelt, steigen die Leiter hinunter, es ist kalt, sehr kalt. Laura, meine Tochter begleitet mich, wir sind beide mit Taschenlampen ausgestattet, die eine Kurbel zum Drehen haben. Das auf- und abschwellende Surren der Lampen wird mich ewig an diesen Urlaub erinnern. Wir machen laute Geräusche beim Laufen mit den Bergstiefeln, um alle etwaigen Tiere um uns herum zu verscheuchen. Schlangen  - meine Angstgegner - gibt es im Winter zum Glück nicht. 

 

Wir schlafen auf dünnen Schaumstoffmatratzen und in dicken Schlafsäcken für Minusgrade, abends machen Laura und ich uns am offenen Feuer noch eine Wärmflasche. Die Abende sind lang, wenn um 18 Uhr die Sonne vom Himmel fällt und es kalt wird. 

 

Die Ruhe, die das Land ausstrahlt, steht in eigenartigem Gegensatz zu unserer hektischen Art des Reisens: Jeden Morgen Zelt abbauen, einpacken, fahren 300-400 km über Land, dann abends auspacken, Zelt aufbauen, Feuer machen, Essen auftreiben ... der Rhythmus erinnert an zuhause, an einen Arbeitstag. Und dennoch ist zuhause so weit weg von mir und irgendwie bedeutungslos. 

 

Waschen, Kleidung, Schminken und Frisur werden nebensächlich. Nicht, dass wir uns nicht waschen würden. Auf jedem Campingplatz gibt es eine Dusche, nicht überall allerdings eine Toilette. Jan, mein praktischer Noch-Ehemann damals, prägt daher den Spruch: Ich gehe jetzt mal mein Loch aufsuchen und stapft mit dem Spaten, der zur Ausstattung des Van gehört,  davon. 

 

Wir sind noch immer Richtung Süden unterwegs, es wird von Tag zu Tag kälter. Manchmal sehen wir den ganzen Tag keine Menschen. Aber manchmal treffen wir auch Deutsche mit deutschem Apfelkuchen, so wie bei Jochen, der Rinder züchtet und drei Strauße besitzt, die mit meinem Sohn Charlie flirten. Im Naukluftgebirge machen wir die Bekanntschaft mit Uwe aus Dortmund und hören seine Geschichte. Uwe aus Dortmund war arbeitslos in Deutschland und seine Frau Kathrin genervt von der vielen Fahrerei zur Arbeit mit dem Auto und so beschlossen sie für drei Jahre die Farm des Schwiegervaters in Namibia zu übernehmen. Sie sind jetzt 12 Jahre hier. 

 

Sie sagen, es sei ein einsames Leben, ein hartes Leben, tagein, tagaus. Uwe erzählt von Weihnachten bei 45 Grad und von den großen Entfernungen.

 

"In der Zeit, in der ich in Deutschland zu Real fahre, komme ich hier nicht einmal bis zu meiner Mülltonne."

 

Während Uwe das erzählt, trinken wir einen Sun-Downer und beobachten Onyx und Springböcke, warten auf Zebras.

 

Für immer wollen sie nicht hierbleiben, Kathrin und Uwe. "Im Rentenalter möchte ich keine Handstände auf den Sanddünen mehr machen", sagt Uwe mit Blick auf den Horizont. "Aber ein bisschen bleiben wir noch ..."

 

Nun geht es langsam zurück, zuerst nach Swakopmund (sieht aus wie in den USA) und dann Richtung Norden in die Nationalparks [...]

 


Avendia

Tränen

Tränen und Ruhe

Ruhe

Ruhe und Tiere

Tränen

Tränen und Tiere

Tränen und Ruhe und Tiere

Namibia



Coachingfragen

 

Was hat mich glücklich gemacht?

  • Glücklich gemacht hat mich die Andersartigkeit des Landes, es war unfassbar faszinierend, dass sich nur 10 Flugstunden entfernt eine so komplett andere Welt auftat.
  • Glücklich gemacht hat mich das Fahren und Sehen von so vielen verschiedenen Landschaften, Menschen, Plätzen, Tieren.
  • Glücklich gemacht hat mich, meine Kinder zu sehen, die so viele spannende Dinge auf dieser Reise entdeckt haben.

Was waren die Zutaten, die die Reise erschwert haben?

  • Die Aussicht auf die Trennung
  • Die nächtliche Kälte und der unbequeme Untergrund zum Schlafen
  • Die langen Abende, an denen es so früh dunkel wurde.

Was hätte ich gebraucht, um die Reise noch mehr genießen zu können?

  • Ich hätte mehr Vertrauen in mich gebraucht, dass ich die Situation, die nach dem Urlaub auf mich zukommen würde, gut meistern würde.
  • Ich hätte Techniken gebraucht, um meine Alltagsprobleme in eine Kiste zu packen und für drei Wochen wirklich wegzuschließen.